Sorgen

2 Jahre Nichts – Campusstimme

Wie gehe ich mit Sorgen um

Natürlich kommt es immer auf die Natur der Sorgen an. Meine „Sorgen“ wären für andere Leute wahrscheinlich nicht wirklich der Rede wert. Und ich finde, dass die Dankbarkeit für einige Dinge (ein Dach über dem Kopf, genug Essen, Sicherheit, Zuneigung, psychische Gesunheit etc.) einem helfen kann die eigenen Probleme nicht zu groß werden zu lassen – und das ohne sie herunterzuspielen. Ich denke dann oft darüber nach, was denn so schlimm daran wäre, wenn das „Worst Case Szenario“ eintritt. Ich werde nicht sterben! Das Leben geht weiter!
Gemessen an den Problemen von Anderen, ist das eigene Leid, dann schon mal etwas kleiner.

Was mir aber noch mehr hilft, ist die Überlegung, wie wahrscheinlich es denn überhaupt ist, dass das Worst-Case-Szenario eintritt. Oft ist diese Wahrscheinlichkeit gar nicht so groß und falls man eine Entscheidung/eine Handlung herauszögert aus Angst vor den Konsequenzen (was bei mir kürzlich erst der Fall war), dann verhindert das nicht negative Folgen, sondern verschiebt sie nur auf einen späteren Zeitpunkt. Das ist ein bisschen wie das Lernen für die Prüfung. Man schiebt es vor sich her, fängt nicht an… dabei muss man irgendeinmal anfangen (außer man meldet sich ab). Je früher man das macht, desto weniger Probleme hat man später.

Und auch wenn dann eine Situation aufkommt, die man vermeiden wollte: manchmal ist das vielleicht besser so. Wie Catharine in ihrem Text schon erwähnt hat, wir versuchen oft einen bestimmten uns vorgegebenen Weg zu gehen. Nach der Schule kommt das Studium, davor eventuell ein Jahr Ausland/Auszeit oder eine Ausbildung.

Als ich jung und naiv, wie ich war, mit der Schule fertig war, bewarb ich mich für Psychologie an mehreren Unis – erstmal davon ausgehend, dass ich irgendwo schon reinkommen würden. Nach ein paar Monaten dann die Ernüchterung: nur Absagen und ich stand plötzlich vor einem nicht geplanten Jahr ohne Studium. Das war damals schon überraschend für mich. Außerdem merkte ich immer mehr, dass meine „Alternative“ (Lehramtstudium) nicht so das Wahre für mich wäre. Ich fing also erstmal an zu jobben – in einer Buchhandlung und einen Kleidergeschäft. Dann folgte die nächste Welle an Bewerbungen diesmal mit Wartesemestern. Ich bewarb mich gezielter an Unis mit einem niedrigeren N.C. und ging natürlich wieder davon aus: Jetzt klappt es!

…und natürlich klappte es nicht. An manchen Unis war der N.C. auch mittlerweile wieder gestiegen. Ich war zu der Zeit sehr verunsichert. 2 Jahre „Nichts“ nach dem Studium: Wie alt werde ich sein, wenn ich mit dem Studium anfange?; Sind dann nicht alle Anderen viel jünger als ich und ich finde vielleicht schlechter Anschluss (eine sehr unnötige Frage im Nachhinein)? Werde ich später doch Lehramt studieren und habe dann 2 Jahre „verschwendet?“Und vor allem die Frage, was Arbeitgeber denken könnten von „Lücken“ im Lebenslauf. Um nicht von Job zu Job zu wechseln, bewarb ich mich diesmal für ein FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr). Die Entscheidung traf ich spontan und bekam glücklicherweise eine Stelle direkt in der Nachbarstadt. Auch wenn das FÖJ später einige Nachteile brachte (nur auf die Stelle bezogen, nicht ein FÖJ generell), ist es eine sehr sehr wichtige Erfahrung gewesen in meinem Leben. Ich habe viel über Verantwortung, Leitung und Selbstsicherheit gelernt, weil oft auf mich selber angewiesen war und Aufgaben übernehmen musste, die ich sonst nirgenswoanders ausgeführt hatte. Auch für viele Aufgaben später im Studium hat mir das Jahr geholfen. Nicht durch direktes Wissen – sondern durch die durchlebten Situationen. Eine Präsentation vor der Seminargruppe war für mich etwas weniger nervenaufreibend, als Kochkurse mit lauter fremden Leuten zu leiten und das Zugehen auf mir fremde Menschen viel mir danach sehr viel einfacher. Ich denke, dass ich ohne diese Zeit nicht so offen wäre für neue Erfahrungen und für den Austausch mit anderen Menschen (ob Kinder oder Ältere). Ich habe wirklich viel praktisches Wissen gesammelt, das mir fehlen würde, wäre ich den „klassichen“ Weg gegangen: Schule → Studium. Aber auch Wissen über Pflanzen, Nachhaltigkeit und viele anderen Themen konnte ich sammeln, das mir ohne dieses Jahr fehlen würde.

Meine Sorge „2 Jahre Nichts“ wurde im Nachhinein zu einer Chance: gesammelte Arbeitserfahrungen, Wissen über Nachhaltigkeit, eine offenere Haltung anderen Menschen gegenüber, die Möglichkeit Neues zu lernen und viele tolle Menschen mit denen ich diese Zeit verbracht habe. Ich bin unglaublich froh, damals nicht doch studiert zu haben, weil es „Alle“ so machten, dann hätte ich viele tolle Erlebnisse verpasst und wäre auch nicht hier im schönen Landau gelandet. Für mich persönlich hat es sich in diesem Fall gelohnt, die „Sorgen“ etwas beiseite zu schieben und einfach weiter zu machen. Natürlich ist das ein Luxus – es wird zwar jetzt durch die gewartete Zeit (Kindergeld, weniger Unterstüzung der Eltern etc.) finanziell knapper, aber trotzdem musste ich mir davor keine Sorgen um´s Geld machen.
Wenn man mal einen eigenen Weg geht, der vielleicht neu und etwas beängstigend ist, weil alle Freunde/im Umfeld etwas Anderes machen, dann ist es die Erfahrung vielleicht wert. Und wenn es anfangs so aussieht, als würde man nur versuchen irgendwie das Beste aus der Situation zu machen. Das persönliche „Worst Case Szenario“ ist dann doch oft nur ein gedankliches Konstrukt. In der Realität sieht Alles nochmal ganz anders aus und aus dem Worst-Case-Szenario kann eine hilfreiche Erfahrung werden.

Stephanie Knoblach

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