Sorgen

Sorgen kannte Heidegger schon: Ein Pottpourri zum Thema „Sorgen“

 „Die Zahl der Terminberatungen des Kölner Studierendenwerks – ausführliche Beratung mit Dokumentation – nahm in den vergangenen fünf Jahren um rund 40 Prozent zu. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kurzzeitberatungen in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent an. Die Online-Sozialberatungen haben sich seit 2014 vervierfacht.“

https://rp-online.de/panorama/wissen/bildung/wenn-studenten-sorgen-plagen_aid-22693507

Fazit: Studierende haben Sorgen. In Coronazeiten in einer zusätzlich gewandelten Form. Was diese Sorgen sind und ein paar kleine Funfacts zum Thema findest du hier.

Schon vor Corona stiegen die in Anspruch genommenen Beratungsmöglichkeiten für Studierende enorm an. Zum einen, weil die Hemmschwelle sich Hilfe zu holen für viele sank, aber auch weil Diversität und Inklusion an Unis immer mehr gelebt wird und damit eben auch mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen oder herausfordernden Lebensumständen Unterstützung brauchen. Für die meisten Studierenden sind es die klassischen Sorgen, die sie quälen: Arbeit und Studium vereinen, (finanzielle) Unabhängigkeit vom Elternhaus, Prüfungsstress. In Coronazeiten kommen noch erschwerend dazu, dass sich Job- und Praktikumssuche als gnadenlos erweisen, homeoffice die Produktivität senkt und man über den ganzen Sorgenkomplex hinaus, einfach irgendwann das Ziel aus den Augen verliert.

Sollten Dir diese Sorgen bekannt vorkommen oder Dir liegt etwas ganz persönliches auf dem Herzen, findest du auf der Seite Anlaufstellen professionelle Hilfe, um nicht alleine damit umgehen zu müssen.

Kultur der Sorgen

Vielleicht hattest du sie ja auch schon einmal unter deinem Kopfkissen. Die kleinen Seelsorgerinnen aus Garn, Draht und Stoffresten. Sorgenpüppchen entstammen einer guatemaltekischen Tradition nach der einst der Sonnengott Prinzessin Ixmucane die Gabe verlieh, Menschen von ihrem Kummer zu befreien. Die Prinzessin gab diese Fähigkeit an sechs Vertreterinnen, die Sorgenpüppchen, weiter. Noch bis heute wirken die Ladies ihren Zauber. So kann man jeder ihrer 1-5cm großen Ebenbilder vor dem zu Bett gehen jeweils eine Sorge anvertrauen und sie unter dem Kopfkissen bis zum nächsten Morgen ihre Wirkung entfalten lassen. Am nächsten Morgen sollte bei sachgemäßer Anwendung, die Sorge wie weggeblasen sein. Nicht umsonst lautet eine deutsche Volksweisheit „ eine Puppe am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen.“. Naja oder zumindest so ähnlich. Das Original Sprichwort zu dieser Eigenkreation lautet im übrigen:

„Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen, spinne am Abend erquickend und labend“

Dann doch lieber eine Puppe als Morgengruß! Aber tatsächlich geht es bei dieser Redewendung nicht um kleine Achtbeiner, sondern um das Spinnen am Spinnrad.

Spann man, hauptsächlich Frauen, schon morgens, bedeutete dies, dass man Spinnerin von Beruf war. Eine sperlich bezahlte Karriere, mit vielen Sorgen und Nöten der Arbeiterklasse. Konnte man es sich dagegen leisten abends zu spinnen, galt das als nette, aber sinnvolle Abendbeschäftigung und vor allem als ein Zeichen gesellschaftlicher Unbekümmertheit.

Nur was sind denn diese Sorgen, die man sich erspinnen kann (pun intended) oder um die sich kleine Zauberpuppen zuverlässig kümmern können?

Tacheles: Was sind Sorgen eigentlich?

Eine Sorge setzt sich zusammen aus der Befindlichkeit(„Besorgnis“) und der Tätigkeit(„sorgen“). In der verbalen Wendung „sich sorgen“ wird die Verbindung zwischen dem inneren Empfinden und dem äußeren Tätigwerden einer Sorge ziemlich deutlich. Diese Befindlichkeit, die Wahrnehmung einer Sorge, kann von einem Gefühl der inneren Unruhe bis hinzu quälenden, nagenden oder drückenden Gedanken reichen. Weil in einer solchen emotionalen Lage die Gefühle kreisen und sich zu vervielfältigen scheinen, spricht man nicht nur von einer Sorge, sondern von „den Sorgen.“ Sorgen können sich in unterschiedlicher Stärke und Beständigkeit ausdrücken. Halten sie länger an, spricht man auch von Kummer.

Wer dieses Gefühl schonmal empfunden hat, weiß wie einnehmend es sein kann. Dennoch unterscheidet sich Sorge von Angst dadurch, dass man Angst vor und Sorge um etwas hat.

Wenn man sich allerdings die Formen ansieht, die Sorge annehmen kann, muss es nicht immer ein störendes Gefühl, sondern kann auch ein antreibendes, geradezu bindendes Gefühl sein. Die Sorge hat viele Zusätze erhalten: Fürsorge, Umsorgen, Vor-/Nachsorgen, Versorgen, etc.. Ein kleiner Exkurs in Martin Heideggers philosophisches Verständnis von Sorge: In seinem Werk „Sein und Zeit“ befasst er sich umfassend mit dem Thema „Sorgen“. Er erkennt, dass Sorge nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern ein Wesenszug des Menschen ist. Sorge bestimmt für ihn das „Dasein“ des Menschen, in dem sie ihm dieses erst so richtig bewusst macht und das Leben permanent überschattet. Entweder als Antrieb oder als Besorgnis über die Endlichkeit. Sorgenfreiheit gibt es für ihn nicht.

Um ein wenig von der Schwere Heideggers abzulassen, wünsche ich Dir herzlichst auf Swahili:  Hakuna matata (keine Sorgen) und sorge gut für dich!

Quellen:

https://rp-online.de/panorama/wissen/bildung/wenn-studenten-sorgen-plagen_aid-22693507
https://onlinemarketing.de/jobs/artikel/jobverlust-und-finanzielle-sorgen-so-leiden-studierende-und-absolventen-unter-corona
https://www.swr.de/wissen/1000-antworten/kultur/1000-antworten-824.html
https://www.socialnet.de/lexikon/Sorge
https://de.wikipedia.org/wiki/Sorge
http://wilfried-ehrmann.blogspot.com/2017/05/sorge-bei-dem-deutschen-philosophen.html

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